So kommt der Mensch zur Sprache. Über Spracherwerb. by Dieter E. Zimmer

By Dieter E. Zimmer

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Augustinus - Spuren und Spiegelungen seines Denkens: Von Descartes bis in die Gegenwart

Seit Aurelius Augustinus (354-430), dem bedeutendsten Denker der Spätantike, ist die Rückbindung der Frage nach der Wahrheit an die Frage nach dem Ich, additionally an die Selbsterkenntnis, ein Grundthema der Philosophie; nach Platon, dem Begründer der abendländischen Philosophie, battle Augustinus der zweite große Denker der Antike von bis heute prägender Kraft.

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1977), dazu vielleicht noch das eine oder andere Fachvokabular. Aber zwischen bloßem Kennen und spontanem Gebrauchen, zwischen passivem und aktivem Wortschatz besteht ein sehr erheblicher Unterschied. Erwachsene, so wird geschätzt, verfügen aktiv über 8000 bis 16 000 Wörter, also etwa ein Neuntel ihres passiven Wortschatzes; ich meine, daß der der großen Mehrheit kaum größer ist als 5000. Gottfried Benn gebrauchte in seinen Gedichten etwa 3200 Wörter (Lyon/Inglis 1972). Hölderlins literarischer Wortschatz umfaßte etwa 7500 Wörter, Homers 9000, Luthers 12 000, Storms 22 500 (Procksch 1914), und Shakespeare, zweifellos auch in dieser Hinsicht eins der größten Sprachgenies aller Zeiten, erreichte die ganz und gar exzeptionelle Zahl 30 900 (Spevack 1970).

Des weiteren, in etwa dieser Reihenfolge : weil, darum, wenn, als, oder, aber, nachdem, bevor – die bei64 den letzteren sind aber auch mit fünf Jahren noch selten. Wann welche Konjunktion in Gebrauch genommen wird, hängt also offensichtlich davon ab, wann das Kind den in ihr steckenden Begriff bewältigt hat. Gegen Ende des dritten Lebensjahres erscheinen auch die ersten Relativsätze. Sie erlauben keine einfache Aneinanderreihung: Der Relativsatz ist syntaktisch nicht selbständig und muß grammatisch in den Hauptsatz »eingebettet« werden.

Sie hatte keinerlei sprachlichen Kontakt gehabt – ihr Vater und ihr älterer Bruder hatten sie, wenn sie ihr einen Essensnapf hinstellten, höchstens angebellt, und alle ihre eigenen Lautäußerungen waren vom Vater bestraft worden. Als sie mit dreizehn Jahren befreit wurde, sprach sie keine Sprache und verstand keine. Und trotz aller Bemühungen ihrer Erzieher lernte sie sie in der Folge viel langsamer als ein Kleinkind. Soweit von ihren Fortschritten berichtet werden konnte, brachte sie es in acht Jahren nur zu »telegraphischen« Kurzsätzen, denen die Funktionswörter fehlten, lernte also nicht grammatikalisch zu sprechen (Curtiss 1977).

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