Induktive Logik und Wahrscheinlichkeit by Rudolf Carnap, Wolfgang Stegmüller

By Rudolf Carnap, Wolfgang Stegmüller

Dieses Buch stellt eine neue, von CARNAP entwickelte Theorie der Induktion und Wahrscheinlichkeit dar, die durch die folgenden grund­ legenden Auffassungen charakterisiert ist. 1. Jedes induktive Schließen, im weiten Sinne des nichtdeduktiven oder nichtdemonstrativen Schluß­ folgerns, ist ein Schließen auf Grund von Wahrscheinlichkeit. 2. Daher ist die induktive Logik als Theorie von den Prinzipien des induktiven Schließens dasselbe wie Wahrscheinlichkeitslogik. three. Der Begriff der Wahrscheinlichkeit, der als Grundbegriff der induktiven Logik dienen soll, ist eine logische Relation zwischen zwei Aussagen oder Sätzen, näm­ lich der Grad der Bestätigung einer Hypothese auf der Grundlage gegebe­ ner Prämissen. four. Der sogenannte Häufigkeitsbegriff der Wahrschein­ lichkeit, wie er in statistischen Untersuchungen verwendet wird, ist zwar an und für sich ein wichtiger wissenschaftlicher Begriff, als Grundbegriff der induktiven Logik jedoch unbrauchbar. five. Alle Prinzipien und Lehr­ sätze der induktiven Logik sind analytisch. 6. Daher hängt die Gültig­ keit des induktiven Schließens nicht von irgendwelchen synthetischen Voraussetzungen ab, wie etwa dem vielumstrittenen Prinzip der Gleich­ förmigkeit der Welt. Die erste Aufgabe dieses Buches ist die Erörterung der allgemeinen philosophischen Probleme betreffend die Natur der Wahrscheinlichkeit und des induktiven Schließens, die uns zu den eben erwähnten Auffassun­ gen führen wird. Das zweite Ziel ist der tatsächliche Aufbau eines structures der induktiven Logik, einer Theorie, die auf den angeführten Prinzipien beruht. Ein besonderes Augenmerk wurde in diesem Buch darauf gelegt, die intuitive philosophische Grundlegung klar von dem technischen Aufbau des structures der induktiven Logik zu trennen.

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Diese Tatsache stützt die Annahme, daß die klassischen Autoren in ihren Ausführungen meistens an die Wahrscheinlichkeit! dachten oder an etwas, das diesem Begriff sehr ähnlich ist. Die Einschränkung "meistens" muß deshalb hinzugefügt werden, weil keiner der klassischen Autoren in all seinen Publikationen in konsequenter Weise den Ausdruck "Wahr3* 36 Die beiden Wahrscheinlichkeitsbegriffe scheinlichkeit" nur in einer einzigen Bedeutung verwendet haben dürfte. Es gibt einige Stellen in der klassischen Theorie, die nur mit Hilfe des Begriffs der Wahrscheinlichkeit2 adäquat zu deuten sein dürften (z.

W ahrscheinlichkei~ als StützungsmaB. Der erste Aspekt der Wahrscheinlichkeitl ist der früher erklärte (Abschn. 3, 4). Zu sagen, daß die Wahrscheinlichkeitl von h auf Grund von e eine hohe sei, bedeutet, daß e in hohem Maße die Annahme von h stützt, daß h in hohem Grade durch e bestätigt wird, oder in Anwendung auf eine Wissenssituation: Wenn ein Beobachter X e kennt, etwa auf Grund direkter Beobachtungen, und weiter nichts, dann hat er gute Gründe dafür, die unbekannten Tatsachen, die durch h beschrieben werden, zu erwarten.

3, Beispiele (I) und (2)), dürfte diese Erklärung ziemlich klar sein. Wissenschaftler verstehen und verwenden Behauptungen der Art, daß eine Annahme hl durch gegebene Beobachtungen e in einem höheren Grade bestätigt wird als eine andere Annahme h z• Doch ist es nicht unmittelbar klar, was es bedeuten soll, wenn man sagt, daß hl durch e eine doppelt so hohe Bestätigung erhält wie h z ; und noch weniger klar ist, was eine Aussage bedeuten könnte, daß die Stärke der Stützung von h durch e 3/4 oder sogar daß sie 5 sei.

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